HÖRERLEBNIS 61
Oben ist die Luft ganz dünn
von Marco
Kolks
Wolfgang Last
ist ein unermüdlicher Entwickler. Scheinbar gibt es in seiner Angebotspalette kaum
ein Produkt, das nicht monatlich erneut auf den Prüfstand kommt. Die Mühe lohnt
sich aber, denn offensichtlich gibt es immer wieder kleine Verbesserungen, die
nach positiver Bewertung unverzüglich in die Serie einfließen. Schwieriger wird
es jedoch, wenn in der Top-Line wie beim NF3 ein schlüssiges Ergebnis
erarbeitet wurde, das vorerst den Stand der Dinge markiert. Dann streicht auch
der gebür-
tige Hamburger
die Segel und gibt seinen abschließenden Segen. Mit einem sympathischen
Augenzwinkern sagt er mir, mehr habe er nicht drauf. Und ich weiß, ich kann
mich auf etwas gefaßt machen.
Das NF3 besteht
aus vielen hochreinen, sehr feinen, mit Teflon beschichteten Kupferlitzen.
Durch die innere Anordnung ist es laut Wolfgang Last sechsfach geschirmt, dabei
immer noch sehr biegsam und damit leicht handhabbar. Der Durchmesser inklusive
der Umhüllung aus schwarzem Baumwoll-flies hat locker Fingerdicke. Da hat man
richtig was in der Hand. Hohe Bedeutung mißt Wolfgang Last den Steckern bei.
Er hat sich nach langem Hör-
Marathon für
Cinch-Varianten mit hohem Kupfergehalt entschieden, die sich schlüssig in
seine klangliche Abstimmung einfügen. Auf Wunsch ist das NF3 auch als
symmetrische Verbindung erhältlich. Zum Aufbau der kleinen Korrekturglieder
sagt Wolfgang Last nur so viel, daß sie sich "harmonisie-rend" auf
die Wiedergabe auswirken sollen.
Kommentar
Mit dem NF3
tritt die kleine Firma Last-Cable recht selbstbewußt an, um in der Liga der
ganz Großen mitzuspielen. Dort oben, wo neben professionellem Know-how immense
Materialschlachten geschlagen werden müssen, um noch das letzte Fitzelchen an
Klang herauszuholen, wird die Luft ziemlich dünn: Wie in allen
Spitzenpositionen, überall im Leben. Wahrscheinlich hat sich Wolfgang Last auch
deshalb so lange Zeit bis zur Marktreife gelassen. Nach dem Motto "Wenn
schon - denn schon" soll das Säbelrasseln weithin hörbar sein.
Das NF3
verbindet meinen Trioden-Vollverstärker Simply-Unison Research mit dem
Clockwork/Sony-SACD-Spieler, eine meiner seit Jahren meistgehörten
Primärquellen. Zur Zeit lösen die großen
Lautsprechermodelle

von Bösendorfer
die Jupiter von Duevel ab, weil sie und das ACT-System von Hans Deutsch auf
eine Besprechung warten. Im steten Wechsel dieser beiden Wandler habe ich die
klanglichen Eigenschaften des NF3 ausgelotet, die sich dem Hörer allerdings
erst nach zwei bis drei Tagen in ihrer Gänze erschließen. Besser noch ist eine
Einspielphase von gut einer Woche.
Als Orientierungshilfe
dient mir die aktuelle Opus3-Veröffentlichung "The Legendary Eva
Taylor" (Live at the Pawnshop; 22071 SACD). Das ist klassischer Jazz der
20er Jahre, den ich so natürlich und in so guter Klangqualität noch nirgends
gehört habe. Bereits nach wenigen Takten zeichnet sich ab, was nach der
kompletten CD unbestritten ist: Dieses Kabel ist schnell, zeigt
viele feine Details und gibt Stimmen überaus authentisch, weil lebendig, wieder. Eva Taylor kann den Charakter ihrer mit 81 Jahren vom Leben gezeichneten Stimme nicht verleugnen. Denn das NF3 bildet nicht einfach nur ihre Stimme irgendwie ab. Es hilft mit, die ganz individuellen Eigenheiten, abhängig vom hohen Alter, nachvollziehbar herauszuarbeiten. Trotzdem bleibt der vitale Zauber dieser erfolgreichen Künstlerin erhalten und die einzigartige Atmosphäre im Jazzclub "Pawnshop" nimmt den Zuhörer gefangen. Gegen durchschnittlich gute Verbindungen setzt sich das Kabel mit einem Zu-gewinn an Durchsichtigkeit, Plastizität und Kontur deutlich ab. Es unterstützt eine großzügige Bühnendarstellung und trumpft in den unteren Frequenzen mit Kraft, Druck und Volumen auf. Langanhaltende Bässe verschwinden nicht in einer platten Undeutlichkeit, sondern werden stabil getrennt und rollen abgrundtief und sauber aus. Mich persönlich fasziniert auch der Glanz in den Höhen, der bei mir den Eindruck von mehr Frische, Farbigkeit und Offenheit erweckt, ohne über das Ziel hinauszuschießen. Also nicht zu hell, nicht zu brillant, keine Schärfe.
Im direkten Vergleich mit anderen extrem hochwertigen Kabeln ist ihnen das NF3 in Klarheit und Kontur ebenbürtig und zieht auch in der Feinzeichnung und Auflösung der Höhen gleich. Es spielt allerdings in den Mitten effektvoller, was einer persönlichen Vorliebe von mir entgegenkommt. Daraus resultiert eine höhere Griffigkeit, die ich besonders bei Rundumstrahlern wie der Jupiter von Duevel positiv werte. Wer in diesem Punkt eine etwas zurückhaltendere Abbildung wünscht, kann sich direkt an Wolfgang Last wenden. Ich weiß zwar nicht, wie er das macht, aber ich habe es hören können und es funktioniert.
Wolfgang Last
ist auf Anhieb der Sprung in High-End-Kabel-Elite gelungen. Das NF3 zählt
damit für mich zu den besten NF-Verbindungen, die ich kenne. Das Warten hat
sich gelohnt und die Luft ist für die guten Anbieter in dieser Liga noch ein
wenig dünner geworden. MK